Zum Inhalt

Entwurf von TeutoTech · Inhalte noch nicht verbindlich

KULTURPUNKT Volksbühne Bielefeld e. V. 0521 60585 Mitglied werden

Über uns

Kultur für alle. Seit 1905.

Stimmen aus dem Verein

Was uns wichtig ist

Freiheit von Kunst und Kultur

„Als Volksbühne ist uns die Garantie der Freiheit von Kunst und Kultur inhaltlich sehr wichtig und ein wesentlicher Bestandteil unseres demokratischen Selbstverständnisses, für das die Volksbühne auch immer gestanden hat. In Zeiten zunehmenden Populismus, rechter Hetze oder versuchter politischer Einflussnahme, denen sich auch die Kulturbetriebe vermehrt ausgesetzt sehen, müssen wir diese Freiheit stärken und verteidigen. Es ist in jeder Hinsicht die Vielfalt, die die Kultur gestern, heute und morgen ausmacht und uns auch mit Kritik und Phantasie in unserem Alltag den Spiegel vorhält. Das ist genau das, was wir neben dem Schönen aus Musik und Spiel, das man auch immer braucht, wollen und bewahren müssen!“

Hans-Werner Heißmann-Gladow, Vorsitzender

„Um insbesondere Arbeitnehmer dafür zu gewinnen, engagieren sich gerade auch Betriebsräte und Gewerkschaften vor Ort dabei, auf die Volksbühne und ihr Engagement aufmerksam zu machen. Mit dem attraktiven Bielefelder Theaterprogramm und der guten Mischung des Volksbühnen-Abos sind wir auf einem guten Weg.“

Bernd Link, ehemaliger Vorsitzender

„Wir werden in der kommenden Spielzeit auch wieder den Besuch der Ruhrfestspiele in Recklinghausen, eine mehrtägige Kulturreise sowie den Besuch einer regionalen Kunstausstellung anbieten.“

Inge Selle, Vorstandsmitglied

In Erinnerung

Menschen, die die Volksbühne geprägt haben

Bernd Link, langjähriger Vorsitzender der Volksbühne Bielefeld

Zum Tod von Bernd Link

Ein „Gesandter der Gerechtigkeit“

Ganzen Text lesen

Der bekannte Bielefelder Gewerkschafter und Sozialdemokrat Bernd Link starb nach schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren im Johannes-Krankenhaus.

Link wurde in Bad Landeck im Glatzer Bergland (Schlesien) am 17.09.1944 geboren. Sein Vater war bereits zuvor im Krieg gefallen. Seine Mutter floh am Kriegsende mit ihm nach Bielefeld. Nach der Schulzeit und kaufmännischer Ausbildung war er mehrere Jahre in der Bekleidungsindustrie tätig, unter anderem in der Seidensticker-Gruppe. Daran schloss sich ein Studium an der Dortmunder Sozialakademie an, das die Grundlage für seine weitere Tätigkeit als Gewerkschaftssekretär bildete.

Bernd Link wurde gleich am ersten Tag seiner Ausbildung (1. 4. 1960) Gewerkschaftsmitglied in der Gewerkschaft Textil-Bekleidung (GTB) und engagierte sich von Anfang an ehrenamtlich in der Jugendarbeit und war aktiv bis hin zur Bundesebene der GTB. 1971 wurde er als Gewerkschaftssekretär in Bielefeld eingestellt. Neben seinen Hauptaufgaben nahm er auch schon bald andere Funktionen im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), bei der Arbeitsagentur, der IHK Ostwestfalen und der Bildungsgemeinschaft Arbeit + Leben Bielefeld wahr. 1986 wurde Bernd Link zum Geschäftsführer der GTB gewählt. 1998 ging die GTB in der IG Metall auf und Link wurde von der IG Metall Bielefeld übernommen.

Seine Schwerpunkte waren neben der Mitglieder- und Betriebsratsbetreuung die Tarifpolitik Textil-Bekleidung, die Erwerbslosenarbeit und die gewerkschaftliche Bildungsarbeit sowie die Betreuung der Schwerbehinderten-Vertrauensleute. Auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand engagierte er sich weiter ehrenamtlich in der IG Metall. Seine Kolleginnen und Kollegen schätzten seine von hoher Sachkenntnis geprägte Art, die er mit Überzeugung und Durchsetzungswillen immer wieder erfolgreich zur Problemlösung einsetzte.

Mit 15 Jahren war Link Gewerkschafter geworden, mit 21 wurde er Mitglied der SPD und machte zunächst bei den Jusos mit. Von 1986 bis 1989 war er Vorsitzender des Ortsvereins Oststraße und vertrat diesen zeitweilig im Stadtbezirksvorstand. Die Bielefelder SPD wählte Bernd Link bereits 1980 in den Unterbezirksvorstand, dessen Mitglied er bis 2018 blieb und dort auch 15 Jahre (1985 bis 2000) das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden bekleidete. Seit Anfang der 70er Jahre arbeitete er darüber hinaus in der „AfA – Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen“ der SPD und nach Renteneintritt auch im „Arbeitskreis 60plus“ mit.

Obwohl es ihm schon gesundheitlich schlechter ging, engagierte er sich noch in der letzten Wahlperiode im Bielefelder Seniorenrat. Dort setzte er sich insbesondere dafür ein, aus den Lehren der deutschen Geschichte für die heutige Politik die richtigen Konsequenzen zu ziehen und den Rechtspopulisten, Rassisten und Neonazis aus der AfD keine Plattform für ihre Agitation zu bieten.

Für die Interessen der „kleinen Leute“

Seine politischen Ziele sah Link in einer Politik, die sich für mehr gesellschaftliche Gerechtigkeit einsetzt, für gleiche Bildungschancen unabhängig von der Herkunft streitet und zu einer gerechteren Beteiligung der Arbeitnehmer an der wirtschaftlichen Entwicklung beiträgt. Für ihn waren die sozialdemokratischen Forderungen nach „Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichheit und Solidarität“ Auftrag und Verpflichtung. Insofern war sein Selbstverständnis in der Politik und auch in der SPD darauf gerichtet, eine stärkere Berücksichtigung der Interessen der „kleinen Leute“ einzufordern.

Seit Mitte der 60er Jahre war Bernd Link auch für die Volksbühne Bielefeld aktiv. Stand zunächst die „Junge Bühne“ im Vordergrund, die junge Berufstätige an das Kulturleben heranführen wollte, so bildete die politische Zielsetzung der Volksbühnenbewegung, Menschen aus den breiten Schichten der Bevölkerung den Zugang zu „Kunst und Kultur“ zu ermöglichen, den Mittelpunkt seiner langjährigen ehrenamtlichen Arbeit. Link war – in der unter anderem von Carl Severing 1905 begründeten Kulturgemeinschaft – seit 1979 auch im Vorstand tätig und seit über 20 Jahren als deren Vorsitzender das Gesicht der Volksbühne Bielefeld.

Seinem beharrlichen Engagement für die Idee der Volksbühnen ist es auch zu verdanken, dass es heute wieder einen aktiven Bundesverband der Volksbühnen gibt, der die große Mehrheit der 55 deutschen Volksbühnenvereine vertritt und deren Delegierte Bernd Link 2017 zu ihrem Bundesvorsitzenden wählten.

Daneben war Bernd Link Mitglied in etlichen weiteren Vereinen und Einrichtungen, die sich mit sozial- und bildungspolitischen Aufgaben befassen, der Völkerverständigung dienen, aus der Arbeiterbewegung entstanden sind oder sich mit historischen Themen beschäftigen. So unter anderem im Verein BAJ, der Deutsch-Polnischen-Gesellschaft, der Albert-Lortzing-Gesellschaft oder den Naturfreunden. Über 10 Jahre war Bernd Link auch Mitglied im Aufsichtsrat der Baugenossenschaft Freie Scholle.

Im Sommer 2013 wurde ihm in Anerkennung und Würdigung seiner besonderen Verdienste das Bundesverdienstkreuz am Bande durch Oberbürgermeister Pit Clausen im Auftrag von Bundespräsident Joachim Gauck verliehen. In seiner Laudatio nannte Clausen ihn „einen Gesandten der Gerechtigkeit“.

Carl Schreck, Mitbegründer der Freien Volksbühne Bielefeld
Foto: Stadtarchiv Bielefeld

Erinnerung an Carl Schreck

Carl Schreck starb vor 70 Jahren, am 14. April 1956. Die Volksbühne erinnert an einen besonderen Menschen und politischen Wegbereiter der Arbeiterkultur in Bielefeld.

Ganzen Text lesen

„Vierschrötig von Gestalt, immer in wetterfester Pelerine und mit einem Schlapphut bekleidet, persönlich anspruchslos, einfach in der Lebensführung, war er die lebendige Verkörperung des westfälischen Menschen.“, hieß es im Nachruf des SPD-Pressedienstes, der drei Tage nach seinem Tod erschien. Der Bielefelder Sozialdemokrat Carl Schreck war neben Carl Severing die profilierteste Persönlichkeit seiner Zeit in unserer Region und zeitlebens einer der maßgeblichen Impulsgeber und Wegbereiter für viele Organisationen, die in und um Bielefeld zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus der Arbeiterbewegung heraus und teils auch von ihm persönlich gegründet wurden.

In Bielefeld 1873 geboren erlernte Schreck nach dem Besuch der Volksschule das Tischlerhandwerk und bildete sich später noch zum Tischlermeister fort. Nach dem Fall der Sozialistengesetze war er 1890 Mitglied im sozialdemokratischen Verein und dem Tischlerverband (Vorläufer der Holzarbeiter-Gewerkschaft) geworden. Wegen seines Engagements für die Sache der Arbeiter kam er hier auf die „schwarze Liste“ und musste für seinen Lebensunterhalt zunächst auf die Wanderschaft gehen.

Wieder zurück in Bielefeld gehörte er 1905 neben Carl Severing zu dem engsten Kreis der Gründer der Freien Volksbühne in Bielefeld, nach Berlin der zweiten Gründung in Deutschland, auf deren Entwicklung und Ausrichtung er über viele Jahre starken Einfluss nahm. Der gemeinsamen Zielsetzung „Die Kunst dem Volke“ folgten gleich zu Beginn etwa 2.000 Menschen. Es galt für die Führer der Bielefelder Arbeiterbewegung, das Bildungsmonopol der damaligen Klassengesellschaft zu durchbrechen und die in hartem industriellen Daseinskampf stehende Arbeiterschaft aus ihrem Bildungsdunkel herauszulösen, sie aufzuschließen und zu gewinnen auch für schöngeistige Ideale. Das damalige kulturelle Wirken muss als Pionierleistung gewürdigt werden, da die Gründer der Bielefelder Volksbühne zugleich wesentlich mitbeteiligt gewesen sind bei der Gründung auch des Stadttheaters. Zusammen mit Severing war Schreck von 1919 bis 1933 Vorsitzender der Freien Volksbühne und abermals nach Wiedergründung 1947 von 1949 bis 1952 im Vorsitz der Volksbühne in Bielefeld.

Sein Wirken ging jedoch weit darüber hinaus. So stand er ab 1905 dem Gewerkschaftskartell in Bielefeld vor und war von 1906 bis 1911 Bevollmächtigter des Holzarbeiterverbands. Für die Zeit zwischen 1913 und 1933 übernahm er auch den Vorsitz des Bezirksvorstands der Sozialistischen Arbeiterjugend. Aber auch die Organisation des Arbeitersports war ihm in seiner gesamten politischen Arbeit immer ein Herzensanliegen, die er in Wort und Tat förderte und mit einigen Schriften formte und stärkte. Außerdem gründete Schreck – aus den Erfahrungen seiner eigenen Wanderschaft – 1912 die Bielefelder Ortsgruppe der Naturfreunde. Aus dieser Arbeit entstand das Naturfreundehaus in Oerlinghausen, das er 1914 als erstes in der Region einweihte. Aufgrund seiner Verdienste für die Naturfreundebewegung, für die er auch in der „Internationale“ eine maßgebliche Rolle spielte, wurde das Naturfreundehaus in Löhne-Gohfeld nach seinem Tod nach ihm benannt.

1911 bis 1926 amtierte Carl Schreck als Bezirksparteisekretär und Vorsitzender des SPD-Bezirksvorstands Östliches Westfalen und Lippe. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er 1919 Mitglied in der Weimarer Nationalversammlung und hatte bis 1921 ein Mandat im Preußischen Landtag inne. Von Juni 1920 war er dann bis zum Ende der Weimarer Republik SPD-Reichstagsabgeordneter und galt als einer der besten Redner der SPD-Fraktion, der häufig in Kulturfragen und sozialen Debatten das Wort ergriff. Carl Schreck gehörte zu den standhaften Sozialdemokraten, die 1933 gegen das Ermächtigungsgesetz stimmten. Wegen „Verleumdung und Verächtlichmachung der Reichsregierung“ wurde er Anfang April 1933 für 6 Wochen inhaftiert und misshandelt. Am 15. Mai 1933 legte er sein Reichstagsmandat nieder und blieb während der Nazizeit unter polizeilicher Aufsicht.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges und der Naziherrschaft war Carl Schreck maßgeblich am Wiederaufbau der SPD in Bielefeld und im Bezirk Westfalen beteiligt und nahm seine früheren Aktivitäten als Gründer und Förderer der Volksbühne, der Naturfreunde und der Arbeiterwohlfahrt (AWO) wieder auf. So auch als AWO-Bezirksvorsitzender von 1946 bis 1954 und deren Ehrenvorsitzender er bis zu seinem Tod am 14. April 1956 war.

Die Devise seines Lebens war: „Nicht das Wort, sondern die Tat entscheidet.“ Mit dieser Grundhaltung hat Carl Schreck den aus der Arbeiterbewegung auch durch ihn gegründeten und geförderten Organisationen und Vereinen, der SPD und den Gewerkschaften in seiner Zeit und im demokratischen Geist ein positives Beispiel gesetzt, das bis heute nachwirkt. Die Namen seiner Mitstreiter Carl Hoffmann und Carl Severing sind in Bielefeld durch Straßennamen und das Berufsschulzentrum präsent. Bis zur Erweiterung der nahen Schule trug die als „Linke Baracke“ bekannte Begegnungsstätte der Bielefelder „Falken“ an der Melanchthonstraße, die er 1926 selbst eingeweiht hatte, seinen Namen.